Krankheitsbild

Mitralklappenerkrankung (MVD)

Die Mitralklappenerkrankung ist die häufigste Herzkrankheit beim Hund — und bei Cavapoos oder Doodles mit Cavalier-King-Charles-Anteil ein wirklich relevantes Thema. Die Klappe zwischen linkem Vorhof und Kammer schließt nicht mehr richtig, das Herz muss gegen den Rückfluss arbeiten. Mit moderner Medikation ist viel zu erreichen.
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Krankheitsbild

Wichtiger Hinweis

Die Informationen auf dieser Seite ersetzen keinen Tierarztbesuch. Bei konkretem Verdacht oder akuten Symptomen bitte direkt eine Tierarztpraxis oder einen Tierklinik-Notdienst kontaktieren.

Auf einen Blick

Fachbegriff: Myxomatous Mitral Valve Disease (MMVD)Auch bekannt als: MVD, MMVD, Endokardiose, undichte HerzklappeTypisches Alter: Erste Veränderungen ab 3-5 Jahren, klinische Symptome meist ab 7+ Jahren

Wie zeigt sich die Krankheit

Symptome.

  • !Trockener Husten, vor allem nachts oder bei Aufregung — das vergrößerte Herz drückt auf die Luftröhre
  • !Schnellere Atmung in Ruhe — über 30 Atemzüge pro Minute
  • !Reduzierte Belastbarkeit, dein Hund will früher zurück vom Spaziergang
  • !Kurzes Schnappen nach Luft nach Aufregung
  • !Manchmal kurze Schwächeanfälle oder Ohnmacht (Synkopen)
  • !Im fortgeschrittenen Stadium: aufgeblähter Bauch durch Wassereinlagerung

Tierarzt sofort aufsuchen wenn:

  • !Plötzliche schwere Atemnot — sofort in die Klinik, oft Lungenödem
  • !Bläuliche Zungen- oder Schleimhautfarbe
  • !Ohnmacht oder Kollaps, auch bei leichter Belastung

Hintergrund

Ursachen.

Die Mitralklappe besteht aus zwei dünnen Segeln, die das Blut vom linken Vorhof in die linke Herzkammer fließen lassen und den Rückfluss verhindern. Bei der Mitralklappenerkrankung — englisch Myxomatous Mitral Valve Disease — verdicken sich diese Segel zu knotig veränderten Strukturen. Die Klappe schließt nicht mehr vollständig, mit jedem Herzschlag fließt Blut zurück in den Vorhof.

Die Erkrankung ist erblich und altersabhängig. Bei kleinen Rassen tritt sie sehr häufig auf — der Cavalier King Charles Spaniel ist die Hauptrisikorasse. Cavapoos und kleine Doodles erben dieses Risiko. Erste Veränderungen zeigen sich oft schon zwischen 3 und 5 Jahren, klinische Symptome meist erst Jahre später.

Diagnose.

Den ersten Hinweis liefert das Abhören mit dem Stethoskop: ein deutliches Herzgeräusch links über der Mitralklappe. Der Tierarzt klassifiziert es von Grad 1 (leise) bis Grad 6 (so laut, dass es spürbar ist).

Zur Bestätigung und Stadieneinteilung folgen:

  • Herzultraschall (Echokardiografie) — der Goldstandard, zeigt Klappenverdickung, Rückfluss und Vergrößerung von Vorhof und Kammer
  • Röntgen des Brustkorbs — beurteilt Herzgröße und Lungenstatus
  • EKG bei Verdacht auf Herzrhythmusstörungen
  • Blutdruckmessung und Bluttest — ergänzende Werte

Die Erkrankung wird nach ACVIM-Schema in Stadien A bis D eingeteilt — A heißt Risiko ohne Befund, D heißt fortgeschrittenes Herzversagen.

Behandlung.

Die Therapie hängt vom Stadium ab. In den frühen Stadien wird beobachtet, ab Stadium B2 wird medikamentös behandelt. Eine Heilung gibt es nicht — die Klappe lässt sich nicht reparieren, außer in spezialisierten Zentren mit OP an der offenen Herzklappe.

Standardtherapie:

  • Pimobendan (Vetmedin) — stärkt die Pumpkraft des Herzens, verlangsamt das Fortschreiten, gilt als wichtigster Wirkstoff
  • ACE-Hemmer wie Benazepril — entlasten das Herz
  • Diuretika (Furosemid, Torasemid) bei Wassereinlagerungen, ab Stadium C
  • Spironolacton als zusätzlicher Schutz für den Herzmuskel

Im Alltag: Salzarme Ernährung, kein Übergewicht, keine extreme Belastung. Atemfrequenz im Schlaf zählen — sie ist der beste Frühwarnindikator für Probleme.

Prognose.

In den frühen Stadien (B1) ist die Lebenserwartung kaum reduziert. Hunde im Stadium B2 mit Pimobendan-Therapie leben oft noch 3 bis 4 Jahre, bevor klinische Symptome auftreten. Im symptomatischen Stadium C sind es im Schnitt 9 bis 18 Monate mit guter Lebensqualität.

Schwere Verläufe mit wiederholten Lungenödemen sind belastend für Hund und Halter. In dieser Phase wird die Frage nach Lebensqualität wichtiger als die nach maximaler Lebensdauer — ein offenes Gespräch mit dem Kardiologen ist dann wichtig.

Was Halter tun können

Vorbeugung.

Die Erkrankung ist erblich, echte Vorbeugung läuft über die Zucht:

  • Beim Welpenkauf nach kardiologischer Untersuchung der Eltern fragen
  • Bei Cavapoos: Cavalier-Linien sollten DNA-Test plus Herzultraschall durchlaufen haben
  • Selbstkontrolle ab dem 5. Lebensjahr: jährlich Herz abhören lassen, bei Verdacht Herzultraschall

Im Alltag mit einem MVD-Risikohund: Übergewicht vermeiden, salzarme Snacks bevorzugen, jährliche Kardio-Kontrolle ab dem ersten Geräusch.

Was kommt finanziell auf mich zu

Kosten & Versicherung.

Herzultraschall beim Kardiologen: 150–300 € einmalig
Pimobendan (Vetmedin): 30–80 € pro Monat, gewichtsabhängig
ACE-Hemmer: 15–40 € pro Monat
Diuretika in Stadium C: 20–50 € pro Monat
Kontrolle alle 6 Monate: 100–200 € pro Termin

Bei Cavapoos und kleinen Doodles mit Cavalier-Anteil ist eine Krankenversicherung praktisch Pflicht. Schließ sie ab, bevor das erste Herzgeräusch dokumentiert ist — danach gilt MVD als Vorerkrankung und alle Folgekosten sind ausgeschlossen. Im Idealfall im ersten oder zweiten Lebensjahr.

Cross-Silo

Betroffene Rassen.

FAQ

Häufige Fragen.

Mein Tierarzt hört ein leises Herzgeräusch — muss ich mir Sorgen machen?+

Erstmal nicht. Ein Grad-1-Geräusch kann harmlos sein. Lass innerhalb der nächsten Wochen einen Herzultraschall beim Kardiologen machen — dann weißt du, ob es eine MVD im Frühstadium ist oder etwas anderes.

Wie zähle ich die Atemfrequenz im Schlaf?+

Wenn dein Hund tief schläft (nicht im Traum-REM), zählst du die Atemzüge pro 60 Sekunden. Normal sind unter 30 pro Minute. Steigt der Wert dauerhaft über 35, ist das ein Warnzeichen — Termin beim Kardiologen.

Kann eine OP die Klappe reparieren?+

Ja, in spezialisierten Zentren in Japan, Frankreich und seit kurzem auch Deutschland. Die offene Herzklappen-OP kostet 20.000 bis 30.000 Euro und ist nur für ausgewählte Patienten geeignet. Für die meisten Hunde bleibt die medikamentöse Therapie der Standard.

Welche Belastung ist noch erlaubt?+

Im Stadium B1 und B2 normales Hundeleben, nur extreme Ausdauer und Hitze meiden. Ab Stadium C kürzere, langsame Spaziergänge, kein Toben mehr. Schwimmen ist oft gut verträglich, weil das Wasser den Körper trägt.

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