Mein Hund schleift mit den Pfoten

12. Mai 2026·von Thorsten·3 Min Lesezeit

Beim Gehen hörst du es: ein leises Schleifen. Dein Hund zieht eine oder beide Hinterpfoten leicht über den Boden. Manchmal so leise, dass es nur an abgeschliffenen Krallen sichtbar ist. Pfoten-Schleifen ist ein neurologisches Symptom — der Hund weiß nicht mehr genau, wo seine Pfote im Raum ist. Das gehört in jedem Fall zeitnah zum Tierarzt.

Mögliche Ursachen

Hinter dem Schleifen steht fast immer eine Störung der Nerven-Signal-Übertragung zwischen Rückenmark und Hinterbein.

  • Degenerative Myelopathie: Eine fortschreitende Erkrankung des Rückenmarks, vor allem bei großen Senior-Hunden. Beginnt typisch mit Schleifen der Hinterpfoten und schreitet über Monate fort.
  • Bandscheibenvorfall: Akut oder chronisch. Der Druck auf das Rückenmark stört die Nerven-Signale zu den Hinterbeinen.
  • Spondylose mit Nerven-Kompression: Im Spätstadium kann die knöcherne Wirbelsäulen-Veränderung auf Nerven drücken.
  • Cauda Equina Syndrom: Kompression der Nerven am Ende der Wirbelsäule. Verursacht oft Schmerzen plus Pfoten-Schleifen.
  • Tumor an der Wirbelsäule oder am Rückenmark: Bei Senior-Hunden eine wichtige Differential-Diagnose.
  • Schlaganfall (zerebraler Insult oder Vestibularsyndrom): Akut auftretende Koordinations-Probleme, oft mit Kopfneigung.
  • Polyneuropathie: Eine Schädigung mehrerer peripherer Nerven, oft durch Stoffwechsel-Erkrankungen wie Diabetes oder Hypothyreose.

Wann zum Tierarzt?

Zum Tierarzt innerhalb von 24 bis 48 Stunden bei chronischem, langsam zunehmendem Schleifen. Sofort in die Klinik bei akut auftretender Lähmung, starkem Wanken oder wenn dein Hund einknickt. Die Diagnose braucht oft eine genaue neurologische Untersuchung, manchmal MRT oder CT. Degenerative Myelopathie ist nicht heilbar, aber Physiotherapie kann den Verlauf verlangsamen — das ist der wichtigste Grund für eine frühe Diagnose. Bei Doodles mit hohem Pudel-Anteil ist Polyneuropathie eine relevante Differential-Diagnose, weil Pudel dafür eine genetische Veranlagung haben.

Was du beobachten und notieren solltest

Eine sichere Diagnose braucht oft ein paar konkrete Hinweise vom Halter. Bevor du den Termin machst, lohnt eine kurze Notiz mit den folgenden Antworten — sie hilft deinem Tierarzt, die richtige Spur schneller zu finden und überflüssige Tests zu vermeiden.

  • Wann hat es angefangen — vor Stunden, Tagen oder Wochen? Wenn möglich, genauer Zeitpunkt.
  • Wie oft tritt es auf — einmalig oder wiederholt? Gibt es einen Tagesrhythmus?
  • Welche Begleitsymptome siehst du (Apathie, Fieber, veränderter Appetit oder Durst, Atemfrequenz)?
  • Hat sich kurz davor etwas geändert (Futter, Spaziergangs-Strecke, neue Umgebung, Stress in der Familie, neue Medikamente)?
  • Hat dein Hund etwas Ungewöhnliches gefressen oder aufgenommen — auch unbeobachtet im Garten oder auf dem Spaziergang?
  • Hast du ein Foto oder kurzes Video vom Symptom (Stuhl, Hautstelle, Verhalten)? Das hilft dem Tierarzt oft erheblich bei der ersten Einschätzung.

Wichtiger Hinweis: Diese Liste zeigt nur die häufigsten Ursachen. Es gibt zahlreiche weitere Krankheiten, die ähnliche Symptome auslösen können. Eine sichere Diagnose stellt nur ein Tierarzt — bei anhaltenden oder akuten Symptomen suche bitte direkt eine Praxis oder Klinik auf. Gerade bei jungen Welpen, älteren Senioren und Hunden mit Vorerkrankungen sollten die Schwellen niedriger angesetzt werden als bei jungen, gesunden Erwachsenen — was beim einen abwartbar ist, kann beim anderen schon kritisch sein.

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